Der Gabenbringer und seine Geheimnisse

Woher kommt der Weihnachtmann?

Dass der Weihnachtsmann am 24. Dezember die Geschenke bringt, das weiß jedes Kind, woher die Tradition um den bemäntelten Mann mit Rauschebart und Rentierschlitten stammt, jedoch nicht. Mit der Geburt Jesu hat das Ganze schließlich nur wenig zu tun. Oder doch?

Schon im Mittelalter wurden die braven Kinder mit Geschenken belohnt. Eine Bescherung an Heiligabend gab es zu dieser Zeit aber noch nicht. Stattdessen wurde der 6. Dezember gefeiert, den wir noch heute als Nikolaustag kennen. Diese Form der Heiligenverehrung wurde von der protestantischen Kirche jedoch zunehmend abgelehnt. Aus diesem Grund war es wahrscheinlich Martin Luther, der im 16. Jahrhundert den Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ ersetzte. Dieser ist als Christkind in Süddeutschland, Osteuropa, aber auch in südlichen Teilen Brasiliens immer noch bekannt. Trotzdem hielten sich die Legenden um den heiligen Nikolaus ungebrochen, auf den auch die Figur unseres heutigen Weihnachtsmannes zurückgeht. Berichten zufolge wurde der heilige Nikolaus, der im 4. Jahrhundert im antiken Myra als Bischof tätig war, während der Christenverfolgung gefangen genommen und gefoltert. Obwohl auch er sehr gütig war und nach seiner Freilassung sein gesamtes Vermögen den Armen spendete, hat unser heutiger Weihnachtsmann ansonsten kaum etwas mit der historischen Figur gemeinsam. Verantwortlich dafür sind die unzähligen Verarbeitungen des Stoffs, die unserem Weihnachtsmann nach und nach seine heutige Gestalt verliehen.
Die symbolhafte Figur des Gabenbringers ist vor allem in den evangelisch geprägten nördlichen Teilen Europas gebräuchlich, von wo aus sie zu Auswandererzeiten auch nach Amerika hinüberschwappte. Hier wurde aus der niederländischen Bezeichnung Sinterklaas nach und nach der Santa Claus, der sich trotz dickem Bauch und prall gefülltem Geschenksack durch die Schornsteine dieser Welt zwängt. Wie häufig behauptet, ist dieses weit verbreitete Bild des Weihnachtsmannes allerdings keine Erfindung der Marke Coca-Cola. Die Darstellung als älterer Mann mit Mantel und Rauschebart hatte nämlich schon vorher damit begonnen, sich allmählich durchzusetzen. Die Grafik, die der US-Amerikaner Haddon Sundblom 1931 für die Coca-Cola Company anfertigte, griff lediglich jene Motive auf, die der Sohn skandinavischer Auswanderer vermutlich selbst noch aus seiner Kindheit kannte. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erstellte der Deutsch-Amerikaner Thomas Nast eine ähnliche Darstellung des Weihnachtsmannes. Für das Magazin Harper’s Weekly zeichnete er einen älteren, bärtigen Mann, der von seinem Schlitten herab die Soldaten des zu dieser Zeit wütenden Bürgerkrieges beschenkte. Als man ihn später bat, seine Karikatur zu kolorieren, wählte er die Farben rot und weiß, wodurch der Weihnachtsmann aller Wahrscheinlichkeit nach seine heutige Erscheinung verliehen bekam.

Ebenso umstritten ist aber vor allem auch der Wohnort des Weihnachtsmannes. Denn während der amerikanische Santa Claus am Nordpol zuhause ist, verorten die Schweden seinen Wohnort in Grönland. Den Niederländern zufolge ist er jedoch in wärmeren Gefilden, nämlich in Spanien zu finden, von wo aus er jedes Jahr mit dem Dampfschiff in den Norden Europas reist. Doch egal, wo die Geschenkwerkstatt des Weihnachtsmannes tatsächlich zu finden ist, das Wichtigste ist und bleibt doch, dass er schafft, jedes Haus mit seinem Schlitten zu erreichen – und möge der Schornstein noch so klein sein.

Noelle Bölling