„Mutlos und ohne Phantasie“

Bürgerverein kritisiert Tourismus- und Wirtschaftspolitik

Kommt die Welle – kommt sie nicht? Ideengeber, Politik und
Investoren streiten über die um Umsetzung des Freizeit-Projekts.
Nun äußert der Bürgerverein ProTourist große Zweifel an der
Politik von Rathaus und Stadtmarketing.

Es könnte so schön sein. Ein Sommerspaziergang durch Hann. Münden – entlang der Wanfrieder Schlagd, vorbei am historischen Packhof mit seinen Leckereien und dann noch die Surfer auf der Mündner Welle beobachten. Möglich wäre das. Konzepte, Investoren und Engagement sind vorhanden. Einzig die Unterstützung von Politik und Stadtmarketing bleibt bisher aus.
Die Veranstaltung von Wirtschafts- und Politikvertretern zum Thema „stehende Welle“ in Hann. Münden am 28. Mai ließ einiges erwarten: „Realisierung Riverside-Projekt“, so der Titel des Events mit viel Prominenz-. Der SPD-Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann, der Landtagsabgeordnete Gerd Hujahn und Katrin Urbitsch, Leiterin des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes (WSA) Hann. Münden diskutierten mit Ideengebern und Interessierten über die Umsetzung eines Tourismus-Konzeptes, das die ganze Region attraktiver machen könnte.

WSA zweifelt an Umsetzung
Worum geht es beim Riverside Projekt? Kurz gesagt um drei Ideen: Eine stehende Welle für Surfer nach dem Vorbild des Eisbachs in München, der jedes Jahr Surffans aus ganz Deutschland begeistert. Dann um eine Freizeitnutzung an der Schlagdspitze und die Renovierung des Packhofs mit einem interessanten Gastronomieangebot.
Wellen-Initiator Fritz Fehrensen, der mit seiner Idee neue Besucher nach Hann. Münden locken möchte, bevorzugt den Bau der Welle am Nadelwehr. Bei einem höheren Wasserdurchfluss und der Fallhöhe des Wehrs von 1,50 Metern bestünden nach einer Studie optimale Bedingungen für die Errichtung einer unterwassergesteuerten Surf-Welle. WSA-Leiterin Urbitsch sieht diesen Vorschlag kritisch, da sie Eingriffe am Nadelwehr befürchtet und bezweifelt, dass das Wehr einem höheren Wasserdurchfluss standhalten würde. Aktuell wird deshalb unter Hinzuziehung von Ingenieuren und Praxiswerten geprüft, inwiefern sich die Welle in Hann. Münden umsetzen lässt. Ein nächstes Treffen aller Beteiligten ist für Anfang Juli geplant. Ideengeber Fehrensen präsentierte bereits erste Pläne für die Finanzierung. Das etwa 300.000 Euro teure Projekt soll unter anderem durch Crowdfunding und Mitgliedsbeiträge gestemmt werden.

Chancen für die Region nicht genutzt
Vom „Riverside-Projekt“ könnte die ganze Region profitieren und neue Gäste anlocken und begeistern – wenn die Pläne denn umgesetzt werden. Daran hegt der Bürgerverein „ProTourist“ große Zweifel. Pressesprecher Michael Lindenau kritisierte Politik und Stadtmarketing jetzt öffentlich in einer Pressemitteilung für fehlenden Einsatz im Tourismusbereich. Grund dafür, so Lindenau, sei das im Herbst 2018 beschlossene Tourismuskonzept, von dessen Umsetzung bislang noch nichts zu sehen sei. Ebenso verlangsame die Stadt mit ihrem Vorgehen im Fall Packhof die Umsetzung förderlicher Projekte.

Stadt bremst Engagement aus
Unternehmer Jürgen Beute hatte der Stadt als Investor rund 120.000 Euro für das historische Gebäude geboten um den Packhof zu renovieren, sowie gastronomisch und touristisch zu nutzen. Der Stadt war der von einem Gutachter ermittelte Preis zu niedrig – sie lehnte ab. Stattdessen initiierte der Verwaltungsausschuss ein Wettbewerbsverfahren, in dem verschiedene Angebote eingereicht und öffentlich verhandelt werden sollen. Der Vorwurf des Bürgervereins: Idee und Engagement von Investor Jürgen Beute werden damit torpediert. ProTourist sieht die Verantwortung bei Bürgermeister und Stadtmarketing: „Da engagieren sich Menschen für unsere Stadt, bringen sich mit viel Engagement und auch Geld ein, aber immer, wenn etwas in Fahrt kommt, wird es ausgebremst!“.
Ob es beim nächsten Wellen-Termin endlich den Startschuss für die Planung des „Riverside-Projekts“ gibt, bleibt abzuwarten. Michael Lindenau fordert Einsatz: „Mit jedem einzelnen Tag, an dem nichts Positives geschieht für unsere Stadt, wird Hann. Münden nur verwaltet, aber keinesfalls gestaltet!“