Kleine Schule mit persönlicher Note

Unter dem Dach des Klinikum Hann. Münden werden Fachkräfte von morgen ausgebildet

Aktuelles Projekt: Pflegepädagogin Dr. Rebecca Klug (von links) hat mit Schülern an einem Projekt unter dem Titel „Innenarchitektur des Menschen“ gearbeitet. Mit dabei waren: Lena Trinkwitz, Mandy Joch, Lara Haake, Sophie Börner, Theresa Börner und Celina Fekih. Foto: Kothe

Der Umzug war ein Glücksfall: Nun sind die Lernorte Theorie und Praxis unter einem Dach vereint. Im Januar 2018 zog die Mündener Gesundheits- und Krankenpflege in das Klinikum Hann. Münden. Die neuen Räume sind hell, großzügig und modern. „Kein Vergleich zu früher“, sagt Schulleiterin Sonja Diedrich. Untergebracht ist sie im vierten Stock – die Fenster aus den Klassen- und Arbeitsräumen sowie der Bibliothek bieten einen Blick über die Stadt.

Praxisnah lernen: Sophie und Theresa Börner üben mit Praxisanleiterin Birgit Reinsch-Nortmann die Anleitung einer Patientin zur Selbstpflege, hier die Verabreichung einer subcutanen Injektion. Foto: Kothe


Neben der guten Arbeitsatmosphäre sieht Sonja Diedrich den größten Vorteil in der Verzahnung von Theorie und Praxis: „Die Praxisbegleitung durch die Pflegepädagogen und die Praxisanleitung durch die zentralen Praxisanleiter der Schule läuft über kurze Wege, der Austausch mit den Stationen ist eng.“ 45 Schüler absolvieren in drei Kursen zurzeit die dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger*innen. Ab Oktober soll die Zahl aufgrund des hohen Zulaufs auf 60 hochgestuft werden. Deshalb ist auch ein Ausbau der Räume ab Herbst geplant.
Vorbereitung auf generalistische Ausbildung
Das ist nicht die einzige Veränderung, die ins Haus steht. Die Gesundheits- und Krankenpflegeschule Hann. Münden bereitet sich auf die neue generalistische Ausbildung von Pflegefachkräften vor. Ab 2020 wird es nur noch einen Ausbildungsberuf (Abschluss: Pflegefachmann bzw. -frau) geben, der alle bisherigen Pflegeberufe wie die Gesundheits- und Krankenpflege, die Altenpflege und die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege ablöst.
„Das ist die Folge einer Reform der Pflegeberufe, die die Ausbildung professionalisieren, auf gesellschaftliche Entwicklungen eingehen und europäischen Standards genügen soll“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin Helene Schäffer. „Künftig lernen die Auszubildenden die Pflege von Menschen aller Altersgruppen und in allen Bereichen, von Krankenhäusern über stationäre und ambulante Pflege bis hin zu Pädiatrie und Psychiatrie.“ Die Kompetenzen seien so breiter gefächert, den Auszubildenden stehen mehr Einsatzgebiete offen.
„Wer sich dennoch spezialisieren möchte, kann dies im dritten Ausbildungsjahr“, sagt sie weiter. Die Schule am Mündener Klinikum bietet den Ausbildungsschwerpunkt der stationären Akutpflege an, andere werden über einen Ausbildungsverbund abgedeckt. „Wir bilden den eigenen Nachwuchs aus. Wer seine Ausbildung gut abschließt, hat auch gute Übernahmechancen“, sagt Pflegepädagogin Sonja Diedrich.
Schüler profitieren von zeitgemäßen Methoden
Neben ihr und Helene Schäffer, die Lehrerin für Pflegeberufe ist, zählen drei weitere Pflegepädagogen und zwei feste Praxisanleiter zum Team. „Zurzeit sind wir auf der Suche nach einer weiteren Lehrkraft“, berichtet Sonja Diedrich. Zu den Pflegepädagogen gehören Dr. Rebecca Klug, Martina Betjen und Markus de Bortoli, zu den Praxisanleitern Hagen Gieseler und Birgit Reinsch-Nortmann. Im Sekretariat: Claudia Diedrich.

Alle Pflegepädagogen haben einen fachlichen Schwerpunkt, den sie in den Unterricht einbringen – beispielsweise Wundmanagement, Diabetes Mellitus, Palliativ Care, Nephrologie und Dialyse. Ein anderer Schwerpunkt: Kinaesthetics (Lehre von der Bewegungsempfindung). Alle Auszubildenden belegen etwa einen hochwertigen Grundkurs in diesem Bereich, geleitet von Helene Schäffer, die ausgebildete Kinaesthetiks-Trainerin ist.
Die Ausstattung ist hochmodern, die Lernmethoden zeitgemäß. Jeder Schüler erhält ein Tablet, WLAN existiert in allen Räumen. Eine E-Learning-Plattform ergänzt den Unterricht und bietet die Möglichkeit für ortsunabhängiges, selbstgesteuertes Lehren und Lernen. Auf diesem Wege haben sich aktuell alle Kurse mit der Anatomie des Menschen, von der Zelle bis zum Organ als Grundlage der Pflegebeobachtung, beschäftigt. Eine Ausstellung im Foyer des Klinikums zeigt das Ergebnis.

Auszubildende übernehmen früh Verantwortung
Eine „Modellstation“ fordert und fördert die Auszubildenden in Bezug auf die Übernahme von Verantwortung – „ein wichtiges Merkmal der gesamten Ausbildung“, resümiert die Schulleitung. So findet unter dem Titel „Schüler in Verantwortung“ Projektarbeit statt – etwa „Schüler leiten eine Station“ oder „Schüler leiten Schüler an“. Auch der gemeinsame Unterricht verschiedener Kurse gehört zum Alltag – etwa wenn es um die Pflegeplanung geht.
Neben einer hochwertigen Ausbildung der Pflegefachkräfte von morgen, ist es für Sonja Diedrich und Helene Schäffer noch etwas anderes, das die Schule auszeichnet: „Wir sind eine kleine Schule mit persönlicher Note. Das ist uns sehr wichtig. Unsere Auszubildenden finden jederzeit für ihre Anliegen, Fragen und Probleme ein offenes Ohr. Und das wird von den Schülern auch sehr geschätzt.“
Interessierte können sich ab sofort auf einen generalistischen Ausbildungsplatz bewerben. Start der Ausbildung ist der 01.10.2020. (hkk)