Klarschiff – Leinen los!

Hann. Mündener Fahrgastschifffahrt startet in die neue Saison

Willkommen an Bord!

Pünktlich zum Osterwochenende heißt es in Hann. Münden wieder „Leinen los!“ – dann startet die Fahrgastschifffahrt auf Fulda und Weser in die neue Saison. Hann. Münden aktuell besuchte Klaus-Dieter (Foto) und Anna-Elisabeth Rehbein beim Frühjahrsputz auf ihrem Flussdampfer „Europa“. Wie das Flussschifferehepaar in die Saison startet, wer mit anpacken muss und welche Routen sie fahren erfahrt ihr hier.

Hier legt die Chefin selbst Hand an: Reederin Anna-Elisabeth Rehbein beim Frühjahrsputz auf ihrem Flussdampfer „Europa“ im Mündener Binnenhafen. Foto: Schreivogel

Von Sven Schreivogel

Pünktlich zum Osterwochenende heißt es in Hann. Münden wieder „Leinen los!“ – dann startet die Fahrgastschifffahrt auf Fulda und Weser in die neue Saison. An Bord sind die Besitzer, das Ehepaar Rehbein, schon seit einigen Wochen in Aktion, damit zum Saisonbeginn alles startklar ist.

Fertigmachen zum Auslaufen
Anna-Elisabeth Rehbein steht auf der Brücke ihres Flussdampfers und wischt liebevoll dessen Steuerrad blitzeblank. „Jaja“, lächelt sie vergnügt, „auch so ein Dampfer braucht Frühjahrsputz!“ Gemeinsam mit ihrem Mann Klaus-Dieter verbrachte sie vor Saisonstart am Karfreitag jede freie Minute am Schiffsanleger in der Nähe des Wesersteins, um Klarschiff zu machen. Seitdem sticht der flotte Dampfer in See, pardon, in Fluss. Zwei Mann Besatzung – trotz Chefin heißt das so in Schiffersprache – und eine Servicekraft sind dafür notwendig. Und Buchungen gibt es schon jetzt nicht wenige …

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Die ganze Familie packt mit an
Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun: Reinigen von innen und außen, Streichen, Lackieren, Bänke montieren, Feuerlöscher überprüfen und ggf. austauschen. Auch kleinere Reparaturen macht das Ehepaar Rehbein selbst, unterstützt von seinen drei Söhnen (46, 43 und 40 Jahre). Eigentlich arbeiten die ganz woanders, aber: „Vor Saisonstart packen alle mit an. Was wir machen können, machen wir selber“, so die Chefin.

Fürs Flicken einer Plane, die beim letzten Sturm beschädigt wurde, war jetzt aber doch ein Spezialist da. Seine wohlverdiente Winterpause verbringt der Dampfer natürlich ganz stilecht auf dem Fluss – am Anleger fuldaaufwärts in Höhe Eduard-Wüstenfeld-Weg.

Von der Elbe auf die Weser
Die „Europa“, gebaut auf der Werft in Aken an der Elbe, wurde 1995 in Dienst gestellt. Der so genannte Flachgänger mit nur 60 cm Tiefgang, einer Länge von 30 Metern und einer Breite von 6,40 Metern ist eigens für die Schifffahrt auf der Weser kon­struiert worden und für 285 Personen zugelassen. Bei „Bergfahrt“ auf der Fulda in Richtung Kassel schafft das Schiff zwölf km/h, bei „Talfahrt“ nach Bad Karlshafen 18 km/h. „Bei uns Binnenschiffern heißt es nicht Knoten“, erklärt Klaus-Dieter Rehbein. „Da wird die Geschwindigkeit wie bei Auto und Bahn an Land gemessen.“ Bis 2014 hatten die Rehbeins noch ein zweites Schiff, die „Stadt Münden“, die 50 Passagiere fasste und es sogar ein Stück werraaufwärts schaffte: „Bis zum Welfenschloss, dann war Schluss!“

Seit über 45 Jahren im Dienst
Gegründet wurde der Schifffahrtsbetrieb in den 1970er Jahren von Klaus-Dieter Rehbeins Eltern Rudolph und Hildegard in Kassel. Inzwischen ist seine Ehefrau Anna-Elisabeth Eigentümerin und der Sitz des Unternehmens in Fuldatal-Wilhelms-
hausen. „Kassel können wir leider nicht mehr anlaufen“, berichtet Anna-Elisabeth Rehbein, „weil die dortige Fuldaschleuse 2016 dichtgemacht wurde.“ Seitdem geht es nur noch bis Spiekershausen. In die andere Richtung, weserabwärts, geht es bis Bad Karlshafen. Dort beginnt das Gebiet des Mitbewerbers. „Doch zwischen uns herrscht ein kollegiales Verhältnis“, freut sich Anna-Elisabeth Rehbein. So werde durchaus auch mal ihr Anleger von der Flotte Weser (früher: Oberweser-Dampfschifffahrt) genutzt oder umgekehrt.

Gute Fahrt – trotz Talsperre und Trockenheit
Die Edersee-Problematik stellt für Familie Rehbein kein Problem dar: „Obwohl die Talsperre den Wasserstand auf der Weser reguliert, was in Trockenperioden immer schwieriger wird, kommen wir mit unserem Dampfer immer noch um den Weserstein herum“, lacht Anna-Elisabeth Rehbein. Und ihr Mann Klaus-Dieter ergänzt: „Bis 90 cm Pegelstand können wir fahren, da unsere ‚Europa‘ einen solch geringen Tiefgang hat.“

Die Salzeinleitungen in die Werra seien da schon kritischer. „Das ist nicht so gut fürs Schiff!“ Umso besser, dass der Flussdampfer an der Fulda verankert liegt.

Die Saison hat am 19. April begonnen. Der Schiffsanleger befindet sich an der Fulda nahe des Wesersteins. Parkplätze sind auf dem Tanzwerder vorhanden. Fahrplan unter: www.fahrgastschiffahrt.com