Fünf Unterschriften unter fünf Thesen für eine zukunftsweisende Zusammenarbeit

Das Fachwerk-Fünfeck bekommt Kontur

fachwerkmanagerin
Seit Sommer 2015 läuft es mit Anna Ulrichs (32 Jahre) als Fachwerk-Managerin und Juliane Hofmann (44 Jahre) in der Pressestelle des Fachwerkfünfeck rund und bekommt die ersehnten Konturen. Für die Dauer des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ werden die beiden in der Geschäftsstelle des Fachwerk-Fünfecks einen Managementplan für die Region in Südniedersachsen entwickeln, der den Kulturschatz Fachwerk schützen und vermarkten soll.

Im November 2013 unterzeichneten die Bürgermeister der Städte Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden, Northeim und Osterode eine Präambel – Als Gemeinschaft wollen diese fünf Städte das Kulturgut Fachwerk erhalten, die Ansiedlungs- und Investitionsbereitschaft ankurbeln, nachhaltig als Standort zum Wohnen, Arbeiten und Leben attraktiv und zukunftsfähig gestalten. Gemeinsame Strategien zur Standortbelebung werden entwickelt, angefangen bei städtebaulichen Entwicklungskonzepten, über Fachwerktourismus, Kulturleitbildern und vernetzenden Schlüsselkonzepten – viele Aufgaben für ein Fünfeck, bei dem das Runde ins Eckige muss.
Seit Sommer 2015 läuft, mit Anna Ulrichs (32 Jahre) als Fachwerk-Managerin und Juliane Hofmann (44 Jahre) in der Pressestelle das Fachwerkfünfeck rund und bekommt die ersehnten Konturen. Für die Dauer des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ werden die Beiden in der Geschäftsstelle des Fachwerk-Fünfecks einen Managementplan für die Region in Südniedersachsen entwickeln, der den Kulturschatz Fachwerk schützen und vermarkten soll.

11 Fragen an die Fachwerkfünfeck-Managerin und ihre Assistentin für Pressearbeit

Was hat Sie beide an der Stellenausschreibung gereizt?

Ulrichs: Ganz klar, in meiner Heimat zusammen mit so vielen verschiedenen Akteuren und Bürgern etwas zu bewegen. Das Fachwerk-Fünfeck ist ein Projekt, in dem sich viele Menschen wiederfinden können.

Hofmann: Ich halte die Idee, die Städte der Region durch ein gemeinsames Ziel miteinander zu verbinden für sehr geeignet. Darin liegen so viele Möglichkeiten. Und mit wem ich auch spreche – alle scheinen sofort Ideen zu entwickeln, wie eine Zusammenarbeit funktionieren könnte. Das Potenzial an Engagement reizt mich sehr.

Wie sah Ihre bisherige Berufslaufbahn aus?

Ulrichs: Als Architektin und Stadtplanerin habe ich zuletzt in Stuttgart in einem großen Planungsbüro gearbeitet. Ich war dort für Aufträge mit großer Bürgerbeteiligung zuständig und habe für Kommunen Konzepte erarbeitet und präsentiert.

Hofmann: Ich bin Diplom-Geografin und PR-Beraterin, habe jahrelang in Frankfurt in einer großen Agentur gearbeitet und war zuletzt als Freie Redakteurin in der Beilagen-Redaktion der HNA tätig.

Was genau sind die Aufgaben einer Fachwerkmanagerin?

Ulrichs: Im Grunde ist das Fachwerk-Fünfeck ein Forschungsprojekt. Es geht darum in einem Managementplan festzulegen, welche Schritte fünf Kommunen gehen müssen, um die Weichen für eine ganze Region auf „Zukunft“ zu stellen. Zu diesem Zweck sprechen wir mit ganz vielen Akteuren, die in den Kommunen für die Themen Tourismus, Wirtschaft und Denkmalschutz zuständig sind. Wir suchen in einem nächsten Schritt nach engagierten Bürgern, die Interesse haben, sich im Projekt zu engagieren und ihre Ideen einfließen zu lassen. Wir vernetzen uns mit den Vereinigungen und den öffentlichen Stellen, die es in Südniedersachsen schon gibt. Und nicht zuletzt besprechen wir das Projekt mit dem Mittelgeber im Bundesbauministerium in Bonn. Das heißt, wir sind die Schnittstelle, an der die Informationen zusammenlaufen und dann gezielt in Maßnahmen aufgehen.

Südniedersachsen ist eine der vielfältigsten Fachwerk-Landschaften in Europa, haben Sie eine Lieblings-Stadt?

Ulrichs: Da habe ich mich noch nicht entschieden – ist das denn überhaupt möglich? Mir gefallen besonders die Orte in den Städten, an denen man die wechselhafte Geschichte und die Lebensgeschichten der Bürger ablesen kann. Also die Ecken, an denen ein Brand im Mittelalter einen Straßenzug unterbrochen hat und deshalb gibt es dort einige Fachwerkhäuser neueren Stils. Oder die Lage der historischen Wallanlagen, die man noch deutlich im Stadtgrundriss aller fünf Städte findet, inklusive Türme, Gräben und Bürgergärten.

Hofmann: Mir gefällt vor allem die Vielfalt der Städte. Denn jede hat ihren eigenen Reiz und ihre Besonderheiten. Für die verschiedensten Bedürfnisse bietet die Region ein umfangreiches Programm.

Ist eine einzelne Fachwerk-Stadt als Destination – wie es so heißt: unter den Bedingungen eines europäischen und globalen Wettbewerbs – tatsächlich unbedeutend?

Ulrichs: Viele der Fördertöpfe, um die sich die Kommunen heutzutage bewerben können, setzen in der Tat auf Projekte, in denen die Zusammenarbeit im Vordergrund steht. Alleine wirtschaften haben die Orte über die Jahre versucht und stießen häufig an ihre Grenzen. Deshalb setzt man heute auf die Kooperation, auf das „voneinander Lernen“ und die Vielfalt. Natürlich passt nicht Jedem jeder Schuh. Deshalb gelten Projekte, die die Gemeinsamkeiten betonen, ohne die Individualität zu verlieren, als die meistversprechenden.

Damit unsere Fachwerk-Landschaft sich etablieren, sich mit vorhandenen Regionen gleichstellen und behaupten kann, muss auch die Wertschätzung des Fachwerks ausgebaut werden. Wie kann das Ihrer Meinung nach gelingen?

Hofmann: Um zu wissen, über welche Schätze das Fachwerk-Fünfeck verfügt, haben wir zunächst einmal den renommierten Fachwerk-Experten Professor Manfred Gerner damit beauftragt, den Fachwerkschatz der Städte zu begutachten. Bisher hat jede Stadt ihre eigenen Aufzeichnungen über Fachwerkgebäude und Denkmalschutz – wir führen die Erkenntnisse bei dieser Gelegenheit zusammen und betrachten dann anschließend die Gesamtheit des Fünfecks und die typischen Bauformen, die Rückschlüsse auf das Leben im Mittelalter zulassen. Schon Anfang 2016 will Professor Gerner über seine Forschungsergebnisse berichten.

Was würden Sie in der Region/ Landkreis ändern?

Hofmann: Wir haben festgestellt, dass es seit Jahren gute Ideen gibt, die zum Teil in Schubladen schlummern. Wir möchten erreichen, dass gute Ideen umgesetzt werden, weil die Beteiligten sich kennengelernt haben und sich gegenseitig unterstützen.

Für wie wichtig halten Sie das Ausbauen der Fachwerk-Kompetenz?

Ulrichs: Wer ein Fachwerkhaus besitzt, kauft oder erbt, hat vielleicht Bedenken, dass eine Renovierung besonders aufwändig ist, mit schwierigen Abstimmungen verbunden und sehr teuer wird. Wir möchten erreichen, dass es für Hausbesitzer einfach ist, sich kompetente Hilfe zur Beratung zu holen, Fördermöglichkeiten zu erfragen und in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde kostengünstige Lösungen abzusprechen. Viele der Handwerker der Region kennen sich gut mit den Baustoffen in Fachwerkhäusern aus und haben besondere Zusatzqualifikationen erworben.

Die Wahrung der Fachwerkidentität wird groß geschrieben – was bedeutet das für Sie?

Ulrichs: Das Fachwerk-Fünfeck hat das große Glück, über eine besondere Identität zu verfügen. Für die Menschen, die hier leben, bedeuten die Fachwerkhäuser Heimat und Verwurzelung. Darum ist die besondere Identität natürlich auch besonders schützenswert.

Ihr Alltag in den nächsten sechs Monaten?

Hofmann: „Alltag“ kehrt bisher noch gar nicht so richtig ein. Täglich warten neue spannende Aufgaben auf uns. Wir haben in den nächsten Monaten vor, die fachlichen Studien, die Teil des Projektes sind, anzuschieben. Wir werden einen Internetauftritt entwickeln, ein Tourismuskonzept beauftragen, die Konzepterstellung für die Tiedexer Straße in Einbeck begleiten, die ersten öffentlichen Termine besuchen und uns regelmäßig mit dem Bundesbauministerium absprechen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an Ihre Arbeit denken?

Ulrichs: Ich freue mich darauf, die vielen engagierten Akteure kennenzulernen, die uns im Rahmen des Projektes begegnen werden. Als Stadtplanerin gefallen mir auch immer die Vor-Ort-Termine sehr gut, wenn gute Beispiele vorgestellt oder neue Ideen besprochen werden. Am liebsten bin ich dabei draußen unterwegs und genieße die Straßen, Stadträume und Gebäude. Denn dafür machen wir das Ganze ja im Endeffekt, damit unsere Städte hohe Aufenthaltsqualität haben.

Hofmann: Mir gefällt das freundliche Miteinander aller Projekt-Beteiligten. Überall stoßen wir auf offene Ohren und freundliche Kooperationsbereitschaft.